Freitag, 21. September 2007

Zeittafel zur NS-Außenpolitik

3.02.1933 Geheimrede Hitlers vor den Kommandeuren der Reichswehr
16.03.1933 Macdonald-Plan: Abrüstung der europäischen Armeen im Lauf von 5 Jahren auf deutschen Stand
14.10.1933 Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund
24.10.1933 deutscher Abrüstungsplan: dt. Heer mit 300.000 Mann, Kontrolle von SA und SS, Verringerung der deutschen Polizei um 50.000 Mann
26.01.1934 deutsch-polnischer Nichtangriffspakt auf 10 Jahre
13.01.1935 nach Volksabstimmung kommt das Saarland zu Deutschland
16.03.1935 Goebbels verkündet die allgemeine Wehrpflicht
Begründung nur Deutschland sei abgerüstet, Frankreich und die UdSSR vermehrten ihre Streitkräfte
11.04.1935 Westmächte begnügen sich mit Protesten
02.05.1935 französisch-sowjetischer Beistandspakt auf 5 Jahren
16.05.1935 Tschechoslowakisch-sowjetischer Beistandspakt (wirksam nur bei Hilfe der Franzosen für die Tsch.)
18.06.1935 deutsch-britisches Flottenabkommen (Stärkeverhältnis: 35:100 für England, bei U-Booten Parität möglich)
Herbst 1935 italienischer Angriff auf Abessinien, Völkerbundsaktionen; beginnende deutsch- italienische Annäherung
07.03.1936 deutscher Einmarsch ins entmilitarisierte Rheinland mit italienischer Rückendeckung
11.07.1936 Deutschland anerkennt vertraglich die Unabhängigkeit Österreichs
Sommer 1936 Putsch General Francos in Spanien; verstärkte deutsch-italienische Annäherung bei Hilfe für Spanien
Okt. 1936 “dt.-ital. Freundschaft”, Plan eines Weltpolitischen Vierecks Italien, Deutschland, Japan u. England
Sept. 1936 Denkschrift zum Vierjahresplan; Kriegsbereitschaft bis 1940
25.11. 1936 Deutsch-Japanischer Antikominternpakt: gemeinsame Maßnahmen gegen die Kommunistische Internationale; Geheimes Zusatzprotokoll: Neutralitätsversprechen bei Angriff der UdSSR auf einen der Partner
Nov. 1937 Hoßbach-Protokoll: Besprechung Hitlers mit den Befehlshabern der Wehrmacht und dem Reichsaußenminister
06.11.1937 Beitritt Italiens zum Antikominternpakt
27.12.1937 Weisung an die Oberkommandos: Angriff auf die CSR vorzubereiten
04.02.1938 “Gleichschaltung der Wehrmacht”, Bildung des OKW; von Rippentropp wird neuer Außenminister
März 1938 Annexion von Österreich
April 1938 Volksabstimmung in Österreich und Deutschland: 99,7 % für den Anschluß !
20.05.1938 Teilmobilmachung der CSR
28.05.1938 Hitler: “Es ist mein unerschütterlicher Wille, dass die Tschechoslowakei von der Landkarte verschwindet” - Termin der Intervention: 1.Oktober
Aug/Sept 1938 Vermittlungen Englands in der CSR
Sept. 1938 Treffen Hitlers mit Chamberline
26.09.1938 Hitlers “Sportpalastrede”: Kriegsdrohung
29.06.1938 Münchner Konferenz: Abtretung der sudetendeutschen Gebiete, franz.-brit. Garantie für die Resttschechei
14.03.1939 Unabhängigkeit der Slowakei proklamiert, unter dem “Schutz” des Reichs
15.03.1939 Besetzung Prags durch deutsche Truppen
22.03.1939 Litauen gibt das Memelgebiet an Dtl. Zurück
März 1939 Beginn franz.-russisch-englische Verhandlungen, britische Garantieerklärung für Polen
April 1939 Italien annektiert Albanien / Hitler kündigt das Flottenabkommen mit England / Beginn einer deutsch-sowjetischen Annäherung
22.05.1939 “Stahlpakt”: deutsch-italienisches Militärbündnis / Ziel: Sicherung des Lebensraumes; enge militärische Zusammenarbeit
23.08.1939 dt.-sowjet. Nichtangriffspakt auf 10 Jahre mit geheimen Zusatzprotokoll
25.08.1939 brit.-poln. Militärbündnis
01.09.1939 dt. Überfall gegenüber Polen
03.09.1939 brit.-franz. Kriegserklärung an das deutsche Reich
28.09.1939 dt.-sowjetischer Grenzvertrag: Litauen an die UdSSR; Lublin und Warschau an das Deutsche Reich

Die Zerschlagung der Tschechoslowakei 1938/1939

“Nationalitätenstaat” - Vielvölkerstaat - Tschechoslowakei

Volksgruppen um 1938:
- 48,9 % Tschechen
- 23,8 % Deutsche
- 17,6 % Polen, Ungarn u.a.

Nationalitätenproblem 1918:
Prager Regierung versprach auf Minderheiten einzugehen - wurde aber schnell vergessen

- direkte Benachteiligung von Minderheiten im Berufsleben, bei Antragsstellung, Schulbesuchen, … (z.B. sprachliche Differenzen) - SdP (Sudetendeutsche Partei) bildet sich- wollen ursprünglich nur Selbstbestimmungsrecht
- NSDAP durchwebte nach und nach die SdP - kam zu Gewalt und Terror in den Sudetendeutschen Gebieten und Widerstand gegen die Prager Regierung
- 1935 SdP wurde zweitstärkste Partei im Prager Parlament (Vorsitz: Konrad Henlein)- daraus größere Öffentlichkeitsarbeit
- England hat sich berufen gefühlt den Minderheiten zu helfen (Chamberline) - verlangte, dass die Tschechoslowakei auf die SdP-Forderungen eingeht

1938 Münchner Konferenz:
- Entscheidung darüber was mit den Sudentendeutschen geschehen soll
- es wurde über den Kopf der Tschechen hinweg entschieden
- anwesend waren Italien, England, Frankreich und Deutschland
- Sudetenland wurde an das Deutsche Reich angegliedert
- Resttschechei soll unangetastet bleiben, nur das Sudetengebiet wird an Deutschland abgetreten
- alles läuft ohne Blutvergießen ab
- Mussolini will die Tiroler Gebiete behalten, und unterstützt Deutschland
- England und Frankreich wollen Hitler einschränken, Zeit gewinnen und Krieg verhindern
- die Tschechoslowakei wird Hitler auf dem Servierteller präsentiert

1939 Annexion der Resttschechei:
- rechtswidrige Annexion der Resttschechei und Gründung des Protektorat “Böhmen und Mähren”

Sonntag, 16. September 2007

Das russische Imperium - Ergebnis der Binnenkolonisation

Ausgangssituation:
- Agrarstaat
- mäßig entwickelte Industrie
- keine Seewege zur Expansion erforderlich

Vorgehen:
- Anstoß durch Regierung in Sankt Petersburg
- Vorstoß durch örtliche Zivil- und Militärgouvernate
- unkoordinierte Ausdehnung in den asiatischen Raum

Ziele:
- landwirtschaftliche Nutzfläche
- Sicherung offener Gebiete
- Ausdehnung der Macht

Eroberte Gebiete:
- Kaukasus
- Hindukusch
- Pamir
- Amur-Gebiet
- Mandschurei

Kolonialpolitik Belgiens:

Innere Entwicklung:
- nach 1830 Belgien - liberale Verfassung
- Abspaltung von den Niederlanden und Abspaltung von Wallonien und Flandern
- Industrialisierung führte zu großen sozialen Spannungen
- 1873 - große Industriedepression

Gründe für Belgiens Kolonialpolitik:
- wertvolle Absatzmärkte finden
- Platz für Unternehmungen
- Platz für Bevölkerungsüberschuss
- neue Einkünfte für die Staatskasse
- bessere Position in der europäischen Völkerfamilie

Probleme:
- Belgien = Kleinstaat
- zur Neutralität verpflichtet
- ohne große Armee
- ohne nennenswerte Seemacht
- liberale Mehrheit gegen koloniale Eroberungen

Lösungen:
- Gründung einer privaten Forschungsgesellschaft
- forschte jedoch nicht, sondern kaufte Land auf

Kolonien:
- “Kongo Freistaat”

Kolonialpolitik Großbritanniens:

Ausgangslage:
- seit dem 17. Jahrhundert Weltmacht
- durch Insellage - Seewege offen und vor militärischen Bedrohungen geschützt
- Insellage - gute Position um ein Kolonialreich aufzubauen

Weg zum Kolonialreich:
1. Ende des 18. Jahrhunderts = Verlust der amerikanischen Kolonien
2. Zweifel an der Kolonialpolitik
3. Kolonien unter Selbstverwaltung, aber GB behält Einfluss
4. Kolonien dienen in erster Linie der Wirtschaft
5. Im 19. Jh. Erneuter Stimmungswandel - “Geater Britain”
6. 24. Juni 1872 - Benjamin Disraeli “neue Leitlinie”

Kolonien:
- Australien
- Indien
- Sudan
- Ägypten
- Nigeria
- Goldküste
- Kenia
- Gambia
- Uganda
- Betschuanaland
- Somalialand
- Rhodesien
- Südafrika
- Sierra Leone

Der Wettlauf um die freien Gebiete der Erde - Kolonialpolitik

= meist hoch entwickelte Staaten durch Annexionen jenseits ihres Staates von unterentwickelten Gebieten. Diese Gebiete werden wirtschaftlich, politisch und kulturell beeinflusst und geprägt

Gründe für die Kolonialpolitik:
1. Konkurrenz der europäischen Großmächte
2. Neue Absatzmärkte und Rohstoffe für die Industrie
3. Militärische Sicherheitsbestimmungen und Machtinteressen - Eroberung von Stützpunkten
4. Ableitung von innenpolitischen Spannungen
5. Kolonien als Ventil für die schnell anwachsende Bevölkerung Europas
6. Nationalismus - Überschätzung der eigenen Rolle für die Zivilisation der übrigen Wettvorweisen eines großen Kolonialreiches
7. Statussymbol / Sozialdarwinismus
8. Hochindustrialisierung / Fortschritt und Technik erlauben es ein großes Kolonialreich zusammenzuhalten

Anschluss Österreichs 1938

Krise in Österreich:
Viele Deutsche meinten, dass im Deutschen Reich anders als in anderen europäischen Ländern “Ruhe und Ordnung” herrschten. In vielen europäischen Staaten standen sich “linke” und “rechte”, demokratische und faschistische oder autoritäre Parteien und Gruppierungen feindlich und gewalttätig gegenüber. In Österreich entstand aus einer solchen Lage eine Diktatur unter dem kanzler Engelbert Dollfuß, die 1934 die Organisation der demokratischen Arbeiterbewegung zerschlug. Seit 1934 versuchten österreichische Nationalsozialisten, ein nationalsozialistisches Österreich zu schaffen und an das Deutsche Reich anzuschließen. Sie scheiterten 1934 im Juli mit einem Putschversuch, bei dem sie Dollfuß ermordeten.

Expansive deutsche Außenpolitik:
Nach außen hin erhob die deutsche Regierung seit 1938 in verstärktem Maße die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht aller Deutschen. Anfang 1938 zwang die deutsche Reichsregierung den österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg durch Androhung von Gewalt und Unruhen, den Nationalsozialisten Seyß-Inquart als Innen- und Sicherheitsminister in die Regierung aufzunehmen. Im März 1938 inszenierten die österreichischen Nationalsozialisten Unruhen in ganz Österreich. In Absprache mit der deutschen Regierung bat Seyß-Inquart um die Entsendung deutscher Truppen zur Aufrechterhaltung von “Ruhe und Ordnung” in Östereich. Am 11.03.1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Die Bevölkerung empfing sie begeistert. Ein alter Traum war für die große Mehrheit der Deutschen und Österreicher in Erfüllung gegangen: Deutschland und Österreich vereint im “Großdeutschen Reich”. In einer Volksabstimmung über die “Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” sollen über 99% der Wähler in Deutschland und Österreich für den Anschluss gestimmt haben. Die Regierungen Englands und Frankreichs protestierten erfolglos.

Zeittafel - Der zweite Weltkrieg

Krieg - Weltkrieg - Totaler Krieg

01.09.1939 Beginn des Krieges: Deutscher Angriff auf Polen
03.09.1939 Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg
Sept. 1939 Blitzkrieg in Polen
1940 Deutsche Besetzung Dänemarks, Norwegens / deutscher Einmarsch in die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich
Beginn der Luftschlacht über England
1941 Balkanfeldzug
April 1941 Eintritt Italiens in den Krieg
22.06.1941 Deutscher Angriff auf die SU
07.12.1941 Japanischer Angriff auf Pearl Harbor
Jan. 1943 Konferenz von Casablanca: Der englische Premierminister Churchill und der Präsident der USA Roosevelt fordern die bedingungslose Kapitulation
31.01./02.02.1943 Die Reste der 6. Armee kapitulieren in Stalingrad
1943 Landung alliierter Truppen in Sizilien
06.06.1944 Landung und Invasion alliierter Truppen in der Normandie
Febr. 1945 Konferenz von Jalta: Roosevelt, Churchill, und Stalin beschließen die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen und eine Verschiebung der künftigen Grenze Polens nach Westen
Dez. 1945 Konferenz von Teheran
30.04.1945 Hitlers und Goebbels begehen Selbstmord
08.05. 1945 Bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht
06.08.1945 Hiroshima: Die erste Atombombe
02.09. 1945 Bedingungslose Kapitulation

Hitler-Stalin-Pakt (23.08.1939)

Motive der SU:
- Stalin hatte Angst vor einem Kapitalistisch-Faschistischen Bündnisses gegen den Kommunismus
- weiß, dass man sich auf Westen nicht verlassen kann (Tschecholslowakei von Westmächten verlassen)
- Polen als Tor nach Westen
- hofft auf industriellen und wirtschaftlichen Aufschwung durch Nach-Westen-Wachsen
- erhofft sich 10 Jahre Ruhe (zwischenzeitliche Zerfleischung des westlichen Kapitalismus mit der Achse)


Motive Hitlers:
- SU von Bündnis mit den Westmächten abhalten
- SU in Sicherheit wiegen
- Vermeidung eines 2-Fronten Krieges
- Aufteilung Polens ist gewollt
- erhofft sich wirtschaftliche Ressourcen durch SU, wenn der Krieg beginnt

General Franco und seine Regirung

- Francisco Paulino Hermenegildo Teodulo Franco y Bahamonde Salgado Pardo wurde am 4. Dezember 1892 in Ferrol (Galizien) geboren
- in der Zeit von 1939 bis zu seinem Tod war Franco Staatschef von Spanien
- er regierte das Land nach dem Sieg der Aufständischen im Spanischen Bürgerkrieg bis zu seinem Tode diktatorisch
- Franco wurde in Spanien als >>el Caudillo<< bezeichnet
- in Anlehnung an diesen Titel wurde seine Geburtsstadt El Ferrol von 1938 bis 1982 El Ferroldel Caudillo genannt
- Franco starb am 20. November 1975 in Madrid

Bürgerkrieg in Spanien (1936 bis 1939)
Bilanz:
- Verwüstung des gesamten Landes
- Völkermorde (500.000 bis 600.000 Tote)
- Diktator bis 1975 - danach wieder Monarchie
- Neutralität im II. Weltkrieg - besonderes Verhältnis zu Deutschland
- Bürgerkrieg war nicht intern (Sowjetunion schickt Kommunisten, Großbritannien unterstützt finanziell, faschistische Achse schickt Legionen)

Gründe für NSDAP-Mitgliedschaften:

Gründe für:

- Kleingewerbetreibende und Selbstständige
- Staatsaufträge
- Ausschaltung der jüdischen Konkurrenz
- Förderung (Subventionen)

- Landwirte
- “Veradelung des Bauernstandes”
- Unterstützung
- staatliche Förderung

- Beamtenschaft
- Angst vor Entlassungen
- Karrieremöglichkeiten
- Einnahme von Führungspositionen

- Eigentümer
- Angst vor Enteignung
- Hoffnung auf Besitztümer

Der Nationalsozialismus als massenpsychologisches Problem

NS-Propaganda:

- Schlagworte / Slogans / Hervorhebungen
- Kriegsverherrlichung / Beeinflussung der Jugend
- Versprechen (Arbeit, Wohlstand)
- Ansprechen von Gefühlen (Angst, ….) / Volk in Sicherheit wiegen / Prestige
- Manipulation (u.a. der Wahrheit durch Weglassen oder Verändern von Informationen)
- Stärkung des Nationalgefühls
- Schaffen von Feindbildern (Juden, Bolschewismus)
- NS-Rassenlehre / Ideologie
- Revision des Versailler Vertrages / für Deutschland Macht, Ansehen und Prestige
- knappe, einprägsame Wortgruppen und Wiederholungen / einfache Formulierungen

Der innerdeutsche Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Definition des Begriffes >> Widerstand << in Bezug auf den Nationalsozialismus
- sowohl die bewusste politische Opposition als auch gesellschaftliche oder religiöse Verweigerung

“Widerstand (gegen die NS-Diktatur) ist eine Provokation, welche die Toleranzschwelle des nationalsozialistischen Regimes unter den jeweils gegebenen Umständen bewusst überschreitet mit einer Handlunsperspektive, die auf eine Schädigung oder Liquidation des Herrschaftssystems abzielt.” (Klaus Schönhoven)
- Differenzierung in “Widerstand” und “widerständisches Verhalten”

Struktur des Widerstandes

- keine einheitliche und koordinierte Volksbewegung / Widerstandsbewegung in Deutschland
- Differenzierung von unkoordinierten Einzelaktionen und professionell angelegten Aktionen
- die meisten Widerstände wurden nie bekannt, auch wenn diese kaum weniger bedeutend waren, als z.B. die Aktionen der Weißen Rose
- ein wichtiger Unterschied zwischen der Situation in Deutschland und Italien ist, dass in Deutschland die Verfassungsmittel zur Entmachtung Hitlers ausgeschaltet wurden, wodurch keine legale Absetzung möglich war
- in der Anfangszeit gingen Widerstände vor allem von politisch motivierten Gruppen aus
- später vor allem ethisch oder religiös motivierte Gruppen und Einzelpersonen
- als die Kriegswende absehbar wurde, kam es zur Bildung der Widerstandsgruppe des “20. Juli”
- bedeutend ist die Tatsache das die Widerstandsbewegungen einen sehr geringen Teil der deutschen Bevölkerung ausmachten. Ferner auch die Tatsache das der Wille der Alliierten nach der Bedingungslosen Kapitulation, zu einer Solidarisierung mit der Führung führte

Widerstandsgruppen in Deutschland

Kommunistischer Widerstand

- hauptsächlich durch die KPD in der Frühzeit des Nationalsozialismus
- durch die Struktur als Partei waren die Mitglieder leicht zu entlarven und so wurden diese schnell verhaftet und die KPD so geschwächt
- der Widerstand verlagert sich so in die Konzentrationslager und in illegale Bewegungen
- es bestehen außerdem Kontakte zum “20. Juli”

- Rote Hilfe Deutschlands
- Rote Kapelle
- Vereinigte Kletterabteilung
- Transportkolonne Otto

- in der Anfangsphase Arbeiterstreiks, z.B. “Mössinger Generalstreik”
- Hauptaktivitäten bestehen in Antipropaganda und der Unterstützung von Flüchtlingen


Sozialdemokratischer Widerstand

- nach dem Verbot der SPD am 22. Juni 1933 entstanden zahlreiche Untergrundorganisationen
- vorwiegend Antipropaganda und Unterstützung politisch Verfolgter

Widerstand anderer Parteien

- neben den großen Parteien von KPD und SPD gab es zahlreiche andere Parteien die sich gegen das NS-Regime engagierten
- Kommunistische Partei-Opposition
- Internationale Kommunisten Deutschlands
- Gruppe Funke
- Antinazistische Deutsche Volksfront
- Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschland

- Verteilung von Flugblättern
- Versuch einer Kriegswende ähnlich der Novemberrevolution
- Versorgung sowjetischer Kriegsgefangener mit Nahrung, Kleidung und Informationen
- Bereitstellung von Waffen um im Fall des Nahens Alliierter Kräfte einen bewaffneten Aufstand zu beginnen

Widerstand der Gewerkschaften

- die deutschen Gewerkschaften waren selbst nach ihrer Zerschlagung durch die NS-Diktatur aktiv im Widerstand gegen diese betätigt, dies erfolgte dann jedoch aus dem Untergrund
- Internationale Transportarbeiterföderation
- Arbeitsausschuss freigewerkschaftlicher Bergarbeiter
- Gruppe Wilhelm Leuschner
- Flugblätter und Unterstützung politisch Verfolgter

Bündischer Widerstand

- bezeichnet den Widerstand der Bündischen Jugend, Ursprünge in den Pfadfindern und Wandervögeln
- Jugendbewegung entstanden aus desillusionierten Heimkehrern aus dem Ersten Weltkrieg
- Weiße Rose
- Edelweißpiraten
- Dj. 1.11 (Deutsche Jungenschaft vom 1. November 1929)
- Versuch der Infiltration der HJ
- teilweise offene Straßenschlachten mit der HJ, Anschläge gegen nationalsozialistische Institutionen


Kultureller Widerstand

- charakterisiert den Widerstand der Swing-Jugend und antinationalsozialistischer Literaten
- meist ursprünglich neutral, waren diese nach ihrem Verbot auch politisch motiviert

Die Swingjugend:
- oppositionelle Jugendbewegung die sich mit der Musik des Swing identifizierte
- Ablehnung und offene Differenzierung durch Sprache und Kleidung, verteilen von Flugblättern


Bürgerlicher Widerstand

- von bürgerlichen Gruppen, zumeist Intellektuellen, getragener organisierter Widerstand
- Ernst-Niekisch-Widerstandsbewegung
- Kreisauer Kreis
- Gemeinschaft für Frieden und Aufbau
- Sammlung von finanziellen Mitteln zur Unterstützung von Juden mit Nahrung und Geld
- Flugblätter gegen den Krieg und für freies Denken

Widerstand innerhalb der Wehrmacht

- Widerstand gegen die Person Hitler, Kriegsdienstverweigerung und Dissertation, Befehlsverweigerung bis hin zu Umsturzversuchen gegen das System
- Ludwig Beck und Freunde
- 20. Juli
- Freiheitsaktion Bayern
- Versuche zur Haftung und Tötung Hitlers, Unterlassen von Befehlen und Fahnenflucht

Kirchlicher und religiöser Widerstand

- äußerte sich in Form von Predigten gegen die NS-Politik, Wahlverweigerung, Wehrpflichtverweigerung, Schutz von politisch Verfolgten bis hin zu offenem Widerstand in Form von Demonstrationen
- Katholischer Jungmännerverband
- Junger Bundschuh
- Zeugen Jehovas
- Quäker
- Unterstützung von Inhaftierten, politisch Verfolgten und vor allem Juden, Verbreitung von Flugblättern


Widerstand im Alltag

- bezeichnet im wesentlichen den Widerstand verschiedenster Gesellschaftsschichten
- allgemeines Handeln im Sinn der Zivilcourage, Unterstützung von Flüchtlingen
- Verweigerung die eigenen Kinder in die HJ zu geben, Verweigerung Kriegsverbrechen auszuführen

Folgen:
In den meisten Fällen kam es für die Widerständigen zu Verhaftungen, Misshandlungen und Hinrichtung.

Gründe für das Scheitern:

- Unterschiedlichkeit der Gruppen
- Totale Überwachung durch die Gestapo = Angst
- Terror
- fehlender Rückhalt in der Masse
- Pech

Attentat vom 20. Juli 1944

Kurzbiografie Claus Schenk Graf von Stauffenberg

- Claus Schenk Graf von Stauffenberg wird am 15. November in Jettingen (Bayern) geboren
- Eintritt in das 17. Bamberger Kavallerieregiment (1926)
- im September 1933 heiratete er Nina Freiin von Lerchenfeld
- Beginn des Studiums an der Kriegsakademie in Berlin (1936)
- Stauffenberg ist zuerst Oberleutnant in einer Panzerdivision im Polenfeldzug, später nimmt er als Generalstabsoffizier an der Westoffensive gegen Frankreich teil (1939/1940)
- er wird an die Front nach Tunesien versetzt und dort am 7. April 1943 schließlich durch einen Tieffliegerangriff schwer verwundet (er verlor ein Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken Hand)
- 20. Juli 1944 verübte er ein Sprengstoffattentat auf Hitler
- in der Nacht vom 20. Juli auf den 21. Juli 1944 wird Stauffenberg exekutiert

Anschlagsverlauf in aller Kürze:

Stauffenberg reiste mit seinem Adjutanten Haeften in das Führerhauptquartier Wolfsschanze. Sie hatten 2 kg Sprengstoff mitgebracht. Die Besprechung in der Stauffenberg die Bombe platzieren wollte wurde um eine Stunde verlegt. Dadurch gelang es Staffenberg nicht 2 kg Sprengstoff scharf zu machen, sondern nur 1 kg.
Nachdem Stauffenberg die Bombe platziert hatte, wurde die Tasche mit der Bombe umgestoßen. Die Tasche mit der Bombe wurde anschließend hinter ein massives Tischbein aus Eichenholz gestellt.
Die Bombe detonierte zwar, doch der gewöhnliche Erfolg blieb aus. Der massive Eichentisch schützte die Anwesenden vor der Explosion. Hinzu kommt, dass nur 1 kg des Spengstoffs explodierte.
Stauffenberg der der festen Ansicht war, Hitler sei tot, kehrte nach Berlin zuück.
Er löste Operation Walküre aus, die aber scheitern sollte.
Die Attentäter werden daraufhin erschossen.

Folgen des Attentats

- nach dem 20. Juli 1944 setzte Hitler Walküre in dieser Form außer Kraft
- er übergab das Kommando des Ersatzheeres an Heinrich Himmler, der ab dann für die Sicherheit im Reich verantwortlich war
- Fromms Unentschlossenheit brachte auch für ihn selbst Folgen. Bereits einen Tag später war herausgekommen, dass er Kenntnis von den Umsturzplänen hatte. Sein Rückzieher wurde nicht als Loyalität gewertet. Er wurde wegen “Feigheit” zum Tode verurteilt und am 12. März 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet
- der “Führer” gewinnt nach dem gescheiterten Attentat neue Zuversicht. Er betrachtet es als göttliche Vorsehung, dass er den Angriff überlebt hat.

Mittwoch, 12. September 2007

Deutsche Expansionspolitik (vor dem I. Weltkrieg)

--> “verspätete Nation”
- industrielle Revolution --> soziale Frage
- innenpolitische Probleme (Kulturkampf, Spannungen zwischen den Parteien)
- keine Kolonialpolitik, sondern Saturiertheit unter Bismarck à Bismarck wollte für Frieden in Europa sorgen

--> Anschluss an die Großmächte
- Einigung mit England à Helgoland wird deutsch und Sansibar britisch
- Einmarsch in China, um Respekt in der ganzen Welt zu erwerben (steigern von Ansehen und Prestige)
- weitere Aufrüstung der deutschen Flotte à wollte Frankreich und England überlegen sein

--> Gründe für die Kolonialpolitik
- Germanisierungspolitik
- Christianisierung
- Nationalismus
- Wilhelm der II. à“ Platz an der Sonne”
- neue Absatzmärkte / Rohstoffe
- Konkurrenz der europäischen Großmächte
- Handelsmärkte (Import/ Export)

dt. Kolonien:

- Togo
- Kamerun
- Südwestafrika
- Südostafrika
- Bismarck-Archipel
- Kaiser-Wilhelm-Land

Der Kulturkampf

Ziele:

- endgültige Trennung von Kirche und Staat
- politische Ausschaltung des Zentrums
- Unterdrückung von oppositionellen Gruppen und Minderheiten

Maßnahmen:

- Aufhebung der katholischen Abteilung im preußischen Kultusministerium
- Kanzelparagraph
- Schulaufsichtsgesetz
- Jesuitengesetz
- Maigesetze
- Zivilehe
- Expartiierungsgesetz
- Brotkorbgesetz
- Klostergesetz

Ergebnisse:

- Stärkung der Katholiken
- Wahlerfolge der Zentrumsfraktion
- Schwere Niederlage Bismarcks
- Beendigung des Kulturkampfes (1876) und schrittweise Rücknahme fast aller Kulturkampfgesetze
- Verschlechterung der innenpolitischen Atmosphäre
- taktisches Vorgehen Bismarcks (z.B. Schaffung von Reichsfeinden und - zweifelhafte - Integration anderer politischer Gruppen auf diesem Weg) wird zu einem typischen Mittel der deutschen Politik

Das Deutsche Kaiserreich im Spannungsfeld des Imperialismus

Bismarck:



- 1816/1817 geboren
- 1822 bis 1827 Schuljahre in Plamannschen Anstalt
- danach Jurastudium in Göttingen
- 1839 quittierte Staatsdienst
- 1851-1859 Gesandter am Deutschen Bund
- 1859-1862 Gesandter in Sankt Petersburg
- 1862 Ministerpräsident und Außenminister
- 1866 kurzer Feldzug durch Österreich
- 1870 Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges
- 1871 Gründung des Deutschen Kaiserreiches
- 1898 Tod auf seinem Gut

Charakteristik:

- Mutter war ihm gegenüber kalt - er hatte seinen Vater sehr geliebt
- war ein rauflustiger Student
- war gegen die Tumulte der Revolution
- wollte immer Diplomat werden

- er hatte sehr hohe Ziele, war der Regierung treu, war streitsüchtig, aber trotzdem überlegt, sehr unglücklich und unzufrieden mit seiner Anstellung bei der Regierung, einsam und geistig belastet, Güter der Familie stark verwirtschaftet, konnte keine Vorgesetzten ertragen (wollte seine Unabhängigkeit), fühlte sich später in seinem Leben von Gott geleitet


Bismarcks Verhältnis zu seinen Eltern

Aus einem Brief Otto von Bismarcks an seine Braut Johanna von Puttkammer vom 24. Februar 1847:

“Meine Mutter war eine schöne Frau, die äußere Pracht liebte, von hellem lebhaftem Verstande, aber wenig von dem, was der Berliner Gemüt nennt. Sie wollte, dass ich viel lernen und viel werden sollte, und es schien mir oft, dass sie hart, kalt gegen mich sei. Als kleines Kind hasste ich sie, später hinterging ich sie mit Falschheit und Erfolg … Meinen Vater liebte ich wirklich …”

Erste Schuljahre

Bismarck äußerte im Juni 1864 über seine Schuljahre in der Plamannschen Anstalt (1822 bis 1827):

“Meine Kindheit hat man mir in der Plamannschen Anstalt verdorben, die mir wie ein Zuchthaus vorkam … In der ganzen Anstalt herrschte rücksichtslose Strenge… Mit der Turnerei und Jahnschen Reminiszenzen trieb man ein gespreiztes Wesen, das mich anwiderte. Kurz, meine Erinnerungen an diese Zeit sind sehr unerfreulich.”

Der “rauflustige” Student

Auszug aus der Studienurkunde der Universität Göttingen vom 11. September 1833 für Otto von Bismarck:

“Hinsichtlich seines Betragens wird bemerkt, dass, außer einigen weniger erheblichen Rügen, zehn Tage Carcer wegen Gegenwart bei einem Pistolenduelle; sodann … drei Tage Carcer wegen Gegenwart bei einem anderen Duelle und vier Tage strenges Carcer wegen Überschreitung des für die Gesellschaften der Studierenden vorgeschriebenen Regulativs gegen ihn erkannt worden sind.“

Der Student und die nationale Bewegung

Jugenderinnerung Bismarcks:

“In mein erstes Semester fiel die Hambacher Feier (27. Mai 1832 ), deren Festgesang mir in Erinnerung geblieben ist, in mein drittes der Frankfurter Putsch (3. April 1833). Diese Erscheinungen stießen mich ab, meiner preußischen Schulung widerstrebten tumultartige Eingriffe in die staatliche Ordnung…”

Der Monarchist

Aus einem Schreiben des Vaters an seinen ältesten Sohn Bernhard vom 31. März 1833:

“Otto hat geschrieben und ist ganz wohl, hat aber sechs (zum Duell) auf einmal fordern müssen, indem sie so auf unsern König geschimpft haben und die Preußen wären nie honorige Studenten, den andern Morgen haben sie aber ihr Wort zurückgenommen…”

Berufsziel Diplomat

Aus einem Schreiben Bismarcks an seinen Schulfreund Gustav Scharlach (Juni 1835):

“Mein Plan ist nun, hier (in Berlin) noch ein Jahr zu verweilen, dann zur Regierung nach Aachen zu gehen, den Verlauf eines zweiten Jahres das diplomatische Examen zu machen und mich der Huld des Schicksals zu empfehlen, wo es mir dann vorderhand gleichgültig sein wird, ob man mir Petersburg oder Rio de Janeiro zum Aufenthalt anweist.”

Bismarck - der Solist

Bismarck schreibt im August 1838 in einem Brief an seine Cousine:

“Der preußische Beamte gleicht dem Einzelnen im Orchester, er mag die erste Violine oder den Triangel spielen, ohne Übersicht und Einfluss auf das Ganze, muss er sein Bruchstück absielen, wie es ihm gesetzt ist, er mag es für gut oder schlecht halten. Ich will aber Musik machen, wie ich sie für gut erkenne, oder gar keine.”